AMERIKANISCHE ARCHÄOLOGIE

Der erste große Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Ethnologischen Museums in Dahlem war den mesoamerikanischen Kulturen gewidmet, die in der Abteilung Amerikanische Archäologie, unter der Leitung von Frau Dr. Manuela Fischer und von Frau Dr. Maria Gaida, zusammen gefasst sind. „Mesoamerika“ ist ein kulturgeographischer Begriff, dem man in Fachkreisen die vorspanischen Kulturen der heutigen mittelamerikanischen Länder Mexico, Guatemala, Belize und Teile von Honduras und El Salvador zuordnet. Die gemeinsamen Charakteristika sind: Stadtstaaten und Staatenbildung, öffentliche Bauwerke und Pyramiden und eine funktionierende Administration.

Im Gegensatz zu Südamerika kam es in diesem zusammenhängenden Gebiet zur Entwicklung von Schriftsystemen und zu einem von allen Völkern benutzten Kalender, der aus zwei Zyklen bestand: dem 365 tägigen Sonnenkalender und dem 260 tägigen Ritualkalender. Das rutuelle Ballspiel ist ein weiteres Merkmal, das für alle mesoamerikanischen Kulturen typisch ist.

Das Ethnologische Museum bewahrt in seinen Magazinen circa 50000 überwiegend archäologische Objekte aus diesem Gebiet; nur ein Bruchteil kann davon auch in der neuen Ausstellung im Humboldt Forum gezeigt werden.

Der Grundstock dieser immensen Sammlung wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt. Leopold von Ledebur, der Leiter der preußischen Kunstkammer im Berliner Schloss, ist der Erwerb erster bedeutender mexikanischer Kunstwerke und ganzer Konvolute zu verdanken, darunter die berühmte aztekische Opferblutschale (1844) und die Sammlung des Museums aztekisch-mexikanischer Altertümer aus Handschuhsheim bei Heidelberg 1861).

Weltruhm erlangte die mesoamerikanische Sammlung dann unter Ledeburs Nachfolger Adoph Bastian, dem Gründer des Ethnologischen Museums unter seinem alten Namen Völkerkunde Museum. (sh. dazu auch die Erläuterungen zu den Cozumalhuapa Stelen).

Quelle: Ethnologisches Museum Berlin, Prestel Museumsführer, 2003