MUSIKETHNOLOGIE

Das Erforschen und Sammeln von Musik aus aller Welt hat in Berlin Tradition. Das Ethnologische Museum besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen historischer und zeitgenössischer Tonausnahmen, wie auch über eine umfangreiche Sammlung von Musikinstrumenten aus nahezu allen Regionen der Welt.

Die ersten Aufnahmen in den Ursprungsländern verdankt das Archiv Felix von Luschan, dem damaligen Direktor des Berliner Museums für Völkerkunde, der 1902 die Türkei bereiste, sowie dem Linguisten und Afrikanisten Carl Meinhof, der Musikaufnahmen aus Ostafrika mitbrachte.

Nach dem 2. Weltkrieg kam ein großer Teil der Bestände nach Leningrad und wurde 1959 der DDR zurückgegeben. Die Wiedervereinigung erlaubte die Rückführung der Bestände aus Leipzig, wo sie von der DDR eingelagert waren, nach Dahlem.

1999 wurde das Phonogrammarchiv als damals einziges deutsches Archiv durch die Aufnahme der alten Sammlungen in das Weltregister des UNESCO Programms „Memory of the World“ geehrt.

Ein besonderer Höhepunkt der Arbeit des Archivs ist die Rettung der Wachswalzen, die am Beginn  die einzige Möglichkeit waren vor Ort Aufnahmen zu machen. Diese fragilen Tonträger, insgesamt fast 30000 Wachswalzen, wurden schrittweise digitalisiert und stehen heute der interessierten Fachwelt weltweit für die Forschung zur Verfügung.

Zusammen mit den Sammlungen der neueren Zeit, die auf Tonband, Langspielplatte, Compact Dsc, DAT Band und Video aufgezeichnet wurden, umfaßt das Archiv heute mehr als 160 000 Aufnahmen von Musik und Tanz aus der ganzen Welt.

Quelle: Prestel Museumsführer, Ethnologisches Museum Berlin, 2003, S. 139 – 141